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Philosophie I (Novalis)

"Wir träumen
Von Reisen in das Weltall-
Ist denn das Weltall
Nicht in uns?
Die Tiefen des Geistes
Kennen wir nicht-
Nach innen
Geht der geheimnisvolle Weg.
In uns oder nirgends
Ist die Ewigkeit mit ihren Welten,
die Vergangenheit
und Zukunft."

"Auch unsere Gedanken
Sind wirksame Faktoren
Des Universums."

"Jede Wirkung
Ist von einem höheren Genius
begleitet."

"Die Liebe
Ist der Endzweck der Weltgeschichte,
das Amen
des Universums.
Wir sind auf einer Mission.
Zur Bildung der Erde
Sind wir berufen."

"Wenn nicht mehr Zahlen und Figuren
Sind Schlüssel aller Kreaturen,
wenn die so singen oder küssen,
mehr als die Tiefgelehrten wissen,
wenn sich die Welt ins freie Leben
und in die Welt wird zurückbegeben,
wenn dann sich wieder Licht und Schatten
zu echter Klarheit wieder gatten
und man in Märchen und Gedichten
erkennt die ew´gen Weltgeschichten,
dann fliegt vor einem geheimen Wort
das ganze verkehrte Wesen fort.
"

 

"Einst, da ich bittere Tränen vergoß-
Da in Schmerz aufgelöst meine Hoffnung zerrann
Und ich einsam stand an dem dürren Hügel,
der in engen dunklen Raum die Gestalt meines Lebens begrub,
einsam, wie noch kein Einsamer war,
von unsäglicher Angst getrieben, kraftlos, nur ein Gedanken des Elends noch,-
Wie ich nach Hilfe umherschaute,
vorwärts nicht konnte und rückwärts nicht-
und am fliehenden, verlöschten Leben mit unendlicher Sehnsucht hing-
da kam aus blauen Fernen,
von den Höhen meiner alten Seligkeit
ein Dämmrungs-Schauer.-
Und mit einemmale riß das Band der Geburt,
des Lichtes Fessel-
Hin floh die irdische Herrlichkeit und meine Trauer mit ihr.
Zusammen floß die Wehmut in eine neue unergründliche Welt-
Du Nachtbegeisterung, Schlummer des Himmels kamst über mich.
Die Gegend hob sich sacht empor-
Über der Gegend schwebte mein entbundner neuer Geist.
Zur Staubwolke wurde der Hügel
Und durch die Wolke sah ich die verklärten Züge der Geliebten-
In Ihren Augen ruhte die Ewigkeit-
Ich fasste ihre Hände
Und die Tränen wurden ein funkelndes
unzerreißliches Band.
Jahrtausende zogen abwärts in die ferne, wie Ungewitter-
An ihrem Halse weint ich dem neuen Leben entzückende Tränen.
Das war der erste Traum in dir.
Er zog vorüber, aber sein Abglanz blieb,
der ewige unerschütterliche Glauben an den Nachthimmel
und seine Sonne, die Geliebte."

Novalis



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